Lesung Nora Osagiobare
Über Rassismus mit Humor erzählen? Nora Osagiobare zeigte mit der Lesung aus ihrem Debütroman «Daily Soap», wie das geht, und stellte sich mit sympathischer Offenheit den Fragen des Publikums.
Die Reihen der Aula sind gut besetzt. Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen warten gespannt auf die Lesung von Nora Osagiobare. Mit einem warmen Applaus wird die Schriftstellerin begrüsst. Sie soll aus ihrem Debütroman «Daily Soap» lesen, der im letzten Frühjahr erschienen ist. Alle Klassen haben im Deutschunterricht Auszüge aus dem Roman gelesen und Fragen an die Autorin vorbereitet.
Nora Osagiobare kam 1992 in Zürich zur Welt und wuchs in einem kleinen Dorf im Knonauer Amt auf. Ihr Vater stammt aus Nigeria und ihre Mutter aus der Schweiz. Schon früh war Osagiobare mit Rassismus konfrontiert. Das gab ihr die Motivation, einen Roman zu verfassen, durch den sie ihre alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus teilen konnte, eine Art «Verarbeitung von Frust».
Trotz der ernsten Thematik wird die Lesung unterhaltsam und lustig. So wolle sie auch wahrgenommen werden im gesellschaftlichen Diskurs über Rassismus, sagt Nora Osagiobare – obwohl ihre grösste Angst beim Schreiben gewesen sei, dass der humoristische Tonfall verharmlosend wirken könnte.
Immer wieder liest die Autorin Ausschnitte aus ihrem Text vor, zum Beispiel über einen Schwarzen Mann, der am Bahnhof Opfer von Polizeigewalt wird. Ihr Schreibstil ist übertreibend, ja, satirisch. Trotzdem trauen sich nur Einzelne im Publikum, halbwegs zu lachen. Zurück bleibt eher ein unbehagliches Gefühl. Und vielleicht bewirkt genau das viel mehr, als todernste Fakten aufzulisten, welche Nichtbetroffene nicht weiter interessieren. Deshalb hat «Daily Soap» auch einen aufklärerischen Wert.
Nora Osagiobare erzählt auch über die Polizeigewalt, die sie als Jugendliche in der Schweiz selbst erlebt oder mit angesehen hat. Langsam werde diese Gewalt auch von der breiteren Gesellschaft wahrgenommen, obwohl viele Leute immer noch glaubten, in der Schweiz gebe es in staatlichen Strukturen keinen Rassismus.
Auf die Frage, wer ihr Buch lesen sollte, antwortet die Schriftstellerin natürlich: «Am besten alle!» Sie habe den Roman aber ganz besonders für diejenigen Menschen geschrieben, die selbst Rassismus erleben – damit sie beim Lesen auch einmal über die schmerzhaften Erfahrungen lachen könnten.
Das Publikum stellt viele Fragen, zum Beispiel, warum Nora Osagiobare Autorin wurde. Der Grund sei ziemlich unromantisch, sagt sie: Deutsch sei das einzige Schulfach im Gymnasium gewesen, in dem sie gut war und das ihr Spass machte. «Deshalb dachte ich, ich probiere das mal aus.»
Am Ende der Lesung verlässt das Publikum die Aula schmunzelnd, aber auch nachdenklich – ganz im Sinn der Autorin Nora Osagiobare.
Text: Josephine Egli (G3A)
Bilder: Julia Galek (F3d), Sarah Fehr





