Lesung mit Béla Rothenbühler
So macht Literatur Spass: Der Schweizer Autor Béla Rothenbühler las live aus seinem Mundart-Roman «Provenzhauptschtadt».
Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle ersten Klassen mussten an der Lesung teilnehmen. Doch aus einer Pflichtveranstaltung wurde schnell eine unterhaltsame und tiefgründige Reise in die Welt der Mundart-Literatur und in den Alltag des Autors und Dramaturgen Béla Rothenbühler.
Im ersten Teil der Veranstaltung las Béla Rothenbühler aus «Provenzhauptschtadt» vor – einem Roman auf Schweizerdeutsch. Rothenbühler entführte das Publikum in die Welt des Ich-Erzählers Thomas, in den Fussballsommer 2018. Thomas erzählt von seinem Alltag, seinem Liebeskummer, seinen manchmal verwirrenden Freundschaften und seinen Träumen – alles mit einer guten Portion Selbstironie.
Besonders beeindruckend war die Art, wie Rothenbühler seinen Text vortrug: mit viel Gefühl, Humor und einer Energie, die den Raum füllte. Schnell war klar, dass hier kein trockener Vortrag stattfand, sondern eine lebendige, packende Darbietung, die viele Schülerinnen und Schüler in den Bann zog – selbst diejenigen, die anfangs eher skeptisch gewesen waren. Lacher, nachdenkliche Blicke und gespannte Stille wechselten sich ab, während die Geschichte von Thomas immer mehr Gestalt annahm.
Im zweiten Teil der Lesung hatte das Publikum die Gelegenheit, dem Autor Fragen zu stellen. Dabei ging es nicht nur um den Roman «Provenzhauptschtadt», sondern auch um Béla Rothenbühlers persönlichen Lebensweg, seine Erfahrungen als Dramaturg sowie seinen Alltag als Autor. Die Fragen waren vielfältig – von inhaltlichen Details zur Geschichte bis hin zu Themen wie Inspiration oder Schreibblockaden. Rothenbühler nahm sich für jede Frage Zeit und antwortete mit viel Herzlichkeit, Humor und grosser Offenheit.
Die zu Beginn eher ruhige und gespannte Stimmung in der Aula wandelte sich schnell in eine lebendige und interessierte Atmosphäre. Es wurde gelacht, gestaunt und aufmerksam zugehört. Die Schülerinnen und Schüler zeigten echtes Interesse, und das Gespräch entwickelte sich fast wie ein Dialog zwischen Autor und Publikum. Diese interaktive Phase der Lesung machte deutlich, wie nahbar Literatur und ihre Schöpfer sein können.
Zum Abschluss der Veranstaltung griff Béla Rothenbühler noch einmal zum Buch und las ein weiteres Kapitel aus «Provenzhauptschtadt» vor. Mit seiner ruhigen, eindringlichen Stimme gelang es ihm, die zuvor so lebhafte Aula wieder in gespannte Stille zu versetzen. Alle hörten aufmerksam zu – als wäre dies ein stiller gemeinsamer Moment, um das Erlebte noch einmal sacken zu lassen. Als die Lesung endete, brach ein herzlicher Applaus aus.
Doch damit war der Anlass noch nicht ganz vorbei: Rothenbühler lud interessierte Schülerinnen und Schüler ein, noch für ein persönliches Gespräch zu bleiben, Fragen zu stellen oder einfach über Bücher, Sprache und das Schreiben zu plaudern.
Insgesamt war die Lesung mit Béla Rothenbühler weit mehr als nur eine Pflichtveranstaltung – sie war ein eindrückliches Erlebnis, das zeigte, wie lebendig Literatur sein kann, besonders dann, wenn sie in der Sprache erzählt wird, die viele von uns im Alltag sprechen. Vielleicht hat diese Begegnung den einen oder die andere sogar dazu inspiriert, selbst zu schreiben – oder zumindest der Mundart-Literatur künftig mit neuen Augen zu begegnen.
Text: Livia Gfeller (G2F)
Fotos: Samira Bolliger (F3e)

