Polit-Event
Braucht es in der Schweiz einen Dienst für alle? Ein Polit-Event über die Service-Citoyen-Initiative beleuchtete wichtige Argumente und brachte das Publikum zum Nachdenken. An einem zweiten Event wurde engagiert über die SRG-Initiative debattiert.
Ein Novembernachmittag an der NKSA: Die Aula füllte sich mit vielen Schülerinnen und Schülern der 3. Klasse. Die Stimmung war spürbar angespannt, aber gleichzeitig sehr interessiert. Obwohl es im Publikum immer wieder Gemurmel gab, hörten alle aufmerksam zu. Denn das Thema betraf viele ganz direkt. Einige sind bereits 18 Jahre alt oder werden es bald sein und dürfen erstmals abstimmen.
Im Zentrum stand ein Streitgespräch zur Service Citoyen-Initiative, organisiert vom Verein Discuss it, der politische Diskussionen direkt an Schulen bringen möchte, um junge Menschen stärker für Politik zu interessieren.
Es diskutierten Matthias Keller von der EVP, der Teil des Initiativkomitees ist und sich für die Initiative einsetzte, und Cédric Meyer von der SVP, der klar dagegen argumentierte. Das Gespräch war in drei thematische Statements gegliedert, ergänzt durch Mentimeter-Umfragen und Voten aus dem Publikum. Inhaltlich ging es um die Frage, ob der heutige Militär- und Zivildienst zu einem allgemeinen Bürgerdienst für alle ausgeweitet werden soll. Aktuell gilt die Wehrpflicht nur für Männer, während Frauen freiwillig Dienst leisten können. Zudem basiert das System auf dem Milizprinzip. Die Initiative wollte alle jungen Menschen einbeziehen und den Dienst auch auf Bereiche wie Pflege, Umwelt, Bildung oder Katastrophenschutz ausweiten.
Inhaltlich prallten zwei ganz unterschiedliche Grundhaltungen aufeinander. Die Befürworter betonten vor allem Werte wie Solidarität, Zusammenhalt und Gleichberechtigung. Ein gemeinsamer Dienst könne das Verantwortungsgefühl stärken und die Gesellschaft besser auf Krisen vorbereiten. Die Gegner hingegen warnten vor hohen Kosten, zu viel staatlichem Zwang und praktischen Problemen bei der Umsetzung. Es kam auch die Frage auf, ob Solidarität wirklich funktionieren kann, wenn sie verpflichtend ist, und ob das bestehende System nicht ausreicht.
Besonders intensiv wurde die Diskussion, als es um Gleichstellung ging. Sollte ein solcher Dienst auch für Frauen verpflichtend sein? Während die Pro-Seite argumentierte, dass echte Gleichberechtigung ohne gleiche Pflichten nicht möglich sei, wies die Contra-Seite darauf hin, dass Frauen bereits heute einen grossen Teil der unbezahlten Care-Arbeit leisten. Diese Frage sorgte auch im Publikum für sichtbare Reaktionen und Diskussionen.
Trotz der unterschiedlichen Meinungen blieb das Streitgespräch respektvoll und sachlich. Der Moderator führte kompetent durch die Diskussion, und viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, kritisch nachzufragen. In der Mentimeter-Umfrage zeigte sich schliesslich, dass mehr als zwei Drittel der Anwesenden gegen die Initiative stimmen würden. Trotzdem hatte man nicht das Gefühl, dass sich danach alle einfach sicher waren. Im Gegenteil: Die Diskussion zeigte, dass politische Fragen selten schwarz-weiss sind und die Positionen nicht immer entlang klassischer Parteigrenzen verlaufen.
Für uns blieb vor allem hängen, wie sehr dieses Thema unsere Generation betrifft und wie wichtig es ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, gerade wenn man zum ersten Mal abstimmen darf. Auch wenn die Service-Citoyen-Initiative abgelehnt wurde, hat dieser Nachmittag gezeigt: Politik wird dann spannend, wenn sie plötzlich ganz nah rückt.
Text: Jonna Schatzmann (G3A)
Bilder: Joël Floris
Übrigens: Am 23. Februar findet ein zweiter Polit-Event für Drittklässler/-innen statt, diesmal zur SRG-Initiative («Halbierungsinitiative»), über die das Schweizer Stimmvolk am 08. März 2026 abstimmt.



