Exkursion zu CH Media
In Aarau wird multimedialer Journalismus gemacht. Davon konnten sich die Medienkunde-Klassen bei einem Besuch bei CH Media selbst überzeugen.
An einem Nachmittag im November 2025 öffnete das regionale Medienhaus CH Media uns seine Türen. Die rund 80 Marken der Bereiche Print, Online, Rundfunk und Druck prägen das Medienunternehmen der Familie Wanner.
Philipp Zimmermann, Kantonsredaktor der «Aargauer Zeitung», stellte uns CH Media als einen der vier grossen Privatakteure im Schweizer Mediensystem vor. 30 Standorte in der Nordwest-, Zentral- und Ostschweiz liefern regionale Berichterstattung, während den Mantelteil der Zeitungen eine einzige nationale Redaktion verfasst. 800’000 Menschen erreichen die Printausgaben täglich, noch mehr die Bereiche Online und Radio/TV. In ihre Druckerei investiert CH Media trotz hoher Kosten.
Videojournalist Jeffrey Gnehm führte uns zu seinem Arbeitsplatz beim Regionalsender Tele M1. In der täglichen Live-Sendung beachten er und sein Team ein ausgewogenes Angebot an Politik, Wirtschaft, Human Interest und Sport. Wenn möglich erfolgt die Recherche vor Ort, was zum Beispiel bei einem Brand spontane Einsätze bedeutet. Für einen emotionsreichen Beitrag sei der Kontakt zu Involvierten unerlässlich. Gelegentliche Nachtschichten oder Protagonisten, die das Gespräch verweigern, erfordern Flexibilität. Bis kurz vor der Live-Ausstrahlung schneidet, vertont und textet das Team. Abgesehen davon verlaufe jeder Tag dank neuen Themen wieder ganz anders, erzählte Jeffrey Gnehm.
Anschliessend zeigte uns Tristan Scherer, was er als Moderator bei Radio Argovia macht. Bei einem vollumfassend werbefinanzierten Radio spielt die Reichweite eine besonders wichtige Rolle. Verkehrsstaus sind dabei verlässliche Hörer-Peaks. Interessanter Fakt: Durch den UKW-Ausstieg der SRG gewann der Privatsender zehn Prozent mehr Hörerinnen und Hörer. Allerdings machen Kriegsmeldungen und andere schwere Themen nachrichtenmüde. Das Team möchte jüngere Generationen gewinnen, ohne ältere, radiogewohnte zu verlieren. Laut Tristan Scherer ist ein allzeit kompetenter und authentischer Moderator zentral.
Daraufhin besuchten wir die Fernsehstudios der Nachrichtensendung «Aktuell» und des Diskussionsformats «Talk Täglich». Tele M1 verfolge eine Berichterstattung, die möglichst nahe am Alltagsleben der Mittelländer sein soll, erklärte Jeffrey Gnehm. Inhaltlich zwar regional verankert, unterliegt der Sender organisatorisch Tele Züri.
Als wir abschliessend Drohungen gegen Journalistinnen und Journalisten thematisierten, erwähnte Philipp Zimmermann Beschwerden unzufriedener Leserinnen sowie Politiker, die sich an ihrer Darstellung in den Medien störten. Allen, die sich für eine Zukunft in der Medienbranche interessieren, legte er nahe, den Journalismus als Berufung zu sehen. Angesichts des Spardrucks und gelegentlicher Überstunden sollte man bereit sein, Herzblut zu investieren. Künstliche Intelligenz lohne sich im Journalismus nur, solange sie die Effizienz steigere. Artikel durch KI schreiben zu lassen, sei bei CH Media allerdings verboten.
Der eindrucksvolle, lehrreiche Nachmittag bei CH Media endete, wie er angefangen hatte: dicht gedrängt an der Rezeption des Medienhauses.
Text: Nora Jungo (F2d)
Bilder: Emma Jacomella (F2b)

