Als das Lehrerinnenseminar 1873 eröffnet wurde, bekam Aarau die Chance, sich durch eine weitere kantonale Schule zu profilieren. Lehramtskandidatinnen, die einen Freiplatz begehrten, hatten sich nun einer Delegation des kantonalen Schulrates zu stellen, worauf je zwei protestantische und katholische Anwärterinnen auf den Lehrberuf ans städtische Töchterinstitut kamen, wo sie während zwei Schuljahren zusätzlich in Kalligraphie, Religionslehre und Geschichte der Pädagogik ausgebildet wurden, um ab dem dritten Schuljahr "praktische Übungen im Schulehalten" an den städtischen Mädchenschulen absolvieren zu können.
Das ging zuerst mehr schlecht als recht. Es gab viel Hohn und Spott über das "Jungfernseminar" und dessen Schülerinnen, welche die von jungen Männern besetzten Kosthäuser zu meiden und sich bei vornehmen Aarauer Familien in Pension und gebührende Aufsicht zu begeben hatten. Auch in den Schulhäusern hatten die Absolventinnen von Aarau ein hartes Los, da die in Wettingen ausgebildeten Lehrer ihre Kolleginnen als "auffällig vom Staat gehätschelte Damen aus dem schnellbleichenden Klassenritt", als "eine Laune des Zeitgeists" abqualifizierten und ihr mageres Einkommen den zu allen Bedingungen arbeitenden Lehrerinnen anlasteten.
1873-1876 Das Lehrerinnenseminar wurde in den kahlen Räumen der ausgeräumten Fabrik August Oehlers am Balänenweg eröffnet, wo die Säle zwei und drei mit ausgedienten Wirtstischen und defekten Strosesseln mietweise ausgerüstet waren und nur eine Schwarwälderuhr etwas Gemütlichkeit tickte.
Die Stadt Aarau bot dem Lehrerinnenseminar von 1876-1895 auf der zweiten Etage des neu erbauten Pestalozzischulahuses Unterschlupf, bis auch Räume dieses Geschosses für die schulpflichtigen Knaben beansprucht wurden.
1895-1911 Nach dem Auszug aus dem Pestalozzischulhaus bezog das Lehrerinnenseminar ein von den Kantonsschülern verlassenes Gebäude beim Kasinopark, nämlich das heutige Amtshaus.
Erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts geht die Profilierung als Seminar zügiger voran. Die kantonalen Beiträge steigen, der Institutsmuff wird abgestreift, Instrumentalunterricht eingeführt, eine Übungsschule eröffnet. Man wird auch standesbewusst, der Verein aargauischer Lehrerinnen eine Brutstätte emanzipatorischer Forderungen.
In den 1930-er Jahren folgen hochgesteckte Pläne für eine aargauische höhere Bildungsstätte für Mädchen und Frauen, die das bescheidene Lehrerinnenseminar ablösen sollte. Geplant wird als Paradestück ein Mädchengymnasium mit neusprachlicher Akzentuierung, da "moderne Sprachen Ordnung bringen in jugendliche Gedanken und Gefühle", dem ein Oberseminar angegliedert und schliesslich eine propädeutische Abteilung für "gehobene Frauenberufe" zur Seite gestellt werden sollen.
Das Mädchengymnasium und das Oberseminar für zukünftige Lehrerinnen blieben als Konzepte in den Schubladen, die Vorbereitungsschule für Frauenberufe aber, - die Aargauische Töchterschule - konnte (1936?) realisiert werden und wurde zur starken Abteilung neben dem Lehrerinnenseminar, respektive der Neuen Kantonsschule Aarau; sie wurde auf Beginn des Schuljahres 1989/90 durch die neu geschaffenen Diplommittelschule (DMS) abgelöst.
1911-1956 belegte das Lehrerinnenseminar die Reservezimmer im untersten Stock des Bezirksschulhauses im Zelgli.